Garten-Hallenbad Brake
1966-1968
Schwimmbad
Abriss: 2001
Mit dem Garten-Hallenbad Brake realisierte Günther Klussmann eines seiner frühesten und bedeutenden öffentlichen Bauwerke. Dem Bau vorausgegangen war ein Architektenwettbewerb, aus dem sein Entwurf als erster Preisträger hervorging. Nach Abschluss der Planung begann 1966 die Ausführung; bereits im Juli 1968 konnte das Hallenbad mit Freibadanlage, Sauna und medizinischer Bäderabteilung eröffnet werden. Der Wettbewerbsentwurf wurde dabei nahezu unverändert umgesetzt.
Der Bau entstand auf dem Gelände des ehemaligen Wefelshof, dessen weitläufige Wiesensenke zu einer öffentlichen Freizeit- und Erholungsanlage entwickelt wurde. Klussmanns Entwurf nutzte den natürlichen Geländesprung, indem er den zweigeschossigen Baukörper in den Hang einbettete. Der in das Gelände integrierte Bau ließ beide Geschoße – je nach Geländeseite – ebenerdig erscheinen. Die Schwimmhalle öffnete sich mit großzügigen Verglasungen zu den weitläufigen Außenanlagen mit 50-Meter-Freibad und Liegewiesen, sodass Innen- und Außenbereiche räumlich und funktional eng miteinander verbunden waren.
Die Konstruktion basierte auf einem Stahlbetonskelett mit Stahltragwerk im Dachbereich. Aluminiumfenster, großflächiges Thermopenglas sowie helle Fassadenmaterialien prägten das äußere Erscheinungsbild und unterstrichen den sachlichen, modernen Ausdruck des Gebäudes. Mit seiner funktionalen Klarheit und der konsequenten Entwicklung aus den Gegebenheiten des Grundstücks heraus, nimmt das Hallenbad Brake innerhalb von Klussmanns Werk eine besondere und in späteren Gebäuden wiederzufindende Haltung ein: Der Entwurf versteht sich als architektonische Antwort auf die Topografie des Ortes und verbindet ihn im Zusammenspiel mit der Funktion des Baus zu einer räumlichen Einheit.
Insofern verstand Klussmann das Garten-Hallenbad nicht allein als funktionale Sportstätte. Ziel seines Entwurfs war es, einen öffentlichen Ort zu schaffen, dessen räumliche Qualität, natürliche Belichtung und landschaftliche Einbindung über die reine Nutzung als Hallen- und Freibad hinaus Wirkung entfalten und ihn zu einem Anziehungspunkt für Sport, Erholung und gesellschaftliche Begegnung machen sollte.
Dieses Konzept konnte nur vergleichsweise kurze Zeit wirken. Nach einem hohen Sanierungsbedarf beschloss die Stadt Bielefeld 1994 die Schließung der Anlage; 2001 wurde das Hallenbad nach mehreren Jahren des Leerstands abgebrochen. Eine öffentliche Debatte über eine denkmalpflegerische Erhaltung ist nicht dokumentiert.
Erst in der Rückschau wurde der Verlust des Gebäudes insbesondere in der lokalen Erinnerung als bedauerlich bewertet; der Heimatverein Brake bezeichnete den Abriss später als einen „Sündenfall“. Vor dem Hintergrund der heute gewachsenen Wertschätzung der Nachkriegsmoderne erscheint das Garten-Hallenbad Brake als ein Beispiel für ein bemerkenswertes Bauwerk dieser Epoche, dessen architektonische Bedeutung erst nach seinem Verlust deutlicher ins Bewusstsein rückt.